Wanderschuhe für den Fernweg: Auswahl, Größe und Einlaufen
Der Schuh ist der einzige Ausrüstungsgegenstand, bei dem eine falsche Entscheidung die ganze Tour bestimmt. Alles andere lässt sich unterwegs ersetzen oder weglassen.
Auswahl: Schafthöhe und Sohle nach Untergrund
Für Fernwege in Mittelgebirgen und flacherem Gelände reicht ein mittelhoher Schuh mit halbsteifer Sohle. Hohe, steife Bergstiefel bringen dort keinen Vorteil und kosten 300 bis 500 Gramm pro Fuß zusätzlich, was bei 40.000 Schritten am Tag erheblich ins Gewicht fällt. Ein Gramm am Fuß ermüdet deutlich stärker als ein Gramm im Rucksack.
Auf langen Etappen mit hohem Asphalt- und Schotteranteil zählt Dämpfung mehr als Steifigkeit. Auf nassem Waldboden und Wurzelwegen zählen Profil und ein Sohlengummi, das auf feuchtem Holz greift. Membranen halten von außen dicht und von innen warm; an heißen Tagen sind ungefütterte Modelle die angenehmere Wahl, weil sie nach einer Bachdurchquerung in zwei Stunden wieder trocken sind.
Größe: eine halbe bis ganze Nummer größer
Füße schwellen über den Tag und über die Tourwoche an, um bis zu einer halben Schuhgröße. Probieren Sie am späten Nachmittag, mit den Socken, die Sie tragen werden. Im Abstieg darf die Zehe vorn nicht anstoßen: Bei ausgestrecktem Fuß sollte etwa ein Daumenbreit Platz bleiben. Die Ferse dagegen muss fest sitzen, ohne zu heben.
Ein Schuh, der im Laden perfekt sitzt, ist am fünften Abend oft eine halbe Nummer zu klein.
Einlaufen: sechs bis acht Wochen einplanen
- Woche 1 und 2: kurze Alltagsstrecken von einer bis zwei Stunden
- Woche 3 und 4: Tagestouren von 12 bis 15 Kilometern mit leichtem Rucksack
- Woche 5 und 6: zwei Tage in Folge mit je 20 Kilometern und Tourgewicht
- Letzte Woche vor dem Start: nur noch kurze Einheiten, keine Experimente
Nehmen Sie keine ungetragenen Schuhe mit auf einen Fernweg, auch kein zweites Paar desselben Modells. Jede Fertigungsserie sitzt minimal anders. Wer neue Schuhe unterwegs braucht, kauft sie an einem Ruhetag und geht mit ihnen zuerst eine kurze Etappe.