Etappenplanung auf Fernwegen: die realistische Tagesleistung berechnen
Wer einen Fernweg zum ersten Mal in Etappen zerlegt, plant fast immer zu ambitioniert. Die Karte zeigt eine ruhige Linie, der Körper meldet sich am vierten Tag mit anderen Argumenten. Eine belastbare Planung beginnt deshalb nicht beim Wunschziel, sondern bei einer nüchternen Zahl.
Tagesleistung: 20 bis 25 Kilometer als Ausgangswert
Für wenig geübte Gehende sind 18 bis 22 Kilometer pro Tag ein solider Startwert, für trainierte 25 bis 30. Entscheidend ist nie der Rekordtag, sondern der Schnitt über eine ganze Woche. Wer am ersten Tag 34 Kilometer läuft, bezahlt das am dritten mit einer gereizten Achillessehne. Rechnen Sie auf ebenem Untergrund mit 4 bis 4,5 Kilometern pro Stunde, kurze Trinkpausen eingeschlossen. Acht Gehstunden ergeben damit rund 32 Kilometer brutto. Realistisch bleiben 24 bis 26, weil Orientierung, Einkehr und längere Pausen Zeit kosten.
Höhenmeter: der zweite Faktor in der Rechnung
Steigung verkürzt jede Etappe. Eine brauchbare Faustregel setzt 300 Höhenmeter im Aufstieg gleich einem zusätzlichen Flachkilometer, 500 Höhenmeter im Abstieg ebenfalls. Eine Etappe mit 22 Kilometern und 700 Metern Aufstieg entspricht damit rechnerisch etwa 24,5 Kilometern in der Ebene. In Mittelgebirgen mit vielen kurzen Gegenanstiegen summiert sich das schnell auf 900 Höhenmeter am Tag, ohne dass ein einziger Gipfel dabei wäre.
Nicht die lange Etappe bricht die Tour ab, sondern die dritte lange Etappe in Folge.
Etappenplan: Puffer statt Punktlandung
Ein Plan, der nur bei gutem Wetter aufgeht, ist kein Plan. Diese Reserven haben sich bewährt:
- Eine kurze Etappe von 12 bis 15 Kilometern nach jedem dritten vollen Tag
- Ein freier Ausweichtag pro Wochenabschnitt für Sturm, Hitze oder eine Blase
- Zwei Ausstiegspunkte je Etappe, an denen Bus oder Bahn erreichbar sind
- Ein Zeitpolster von 90 Minuten vor dem letzten Check-in des Tages
Planen Sie die erste Woche eher zu kurz. Die Kilometer kommen von allein, sobald der Körper den Rhythmus gefunden hat.